Pfr. Dr. Jochen Hahn

Willkommen

Schön, dass Sie den Weg zu uns gefunden haben! Nehmen Sie sich einen Moment Zeit und sehen Sie sich ein wenig um. Sie werden schnell entdecken, dass Kirche auf dem Lande so manches zu bieten hat. Ihr Pfarrer Hahn.

Ev.-luth. Pfarramt Rüsseina
Pfr. Dr. J. Hahn
Rüsseina, Kirchbergstraße 8
01683 Nossen

Tel 035242/68651
Fax 035242/669700

joachim.hahn@evlks.de

 

 

kirchenbuecher

 

Friedhöfe

 

Licht an für Menschlichkeit

HERR, du siehst es ja, denn du schaust das Elend und den Jammer; es steht in deinen Händen.

Kleiner Kunstführer Kirche Raußlitz

Lieber Kirchenbesucher!

Kirche RaußlitzWillkommen in einer der ältesten Dorfkirchen des ehemaligen Daleminzier-Gebietes. Bereits um das Jahr 1000 wurde inmitten des Dörfchens „Rusalicy“ eine Wehrkirche errichtet und der heiligen Katharina geweiht. Neben der Funktion als geistliches Zentrum diente sie gleichzeitig auch der Sicherung der Grenze zum slawischen Teil des Daleminzier-Gebietes entlang des Ketzerbaches. Um die Kirche  herum verlief ein mit Wasser gefüllter Wehrgraben, der später verfüllt wurde (heutiger Straßenbereich). Ein trutziger Turm, der durch die heute noch vorhandene Tür auf der Südseite des Langhauses aus zu erreichen war und als Beobachtungsplatz diente, wurde 1694 abgebrochen. Bei Drainage-Arbeiten im Jahr 2000 stießen Arbeiter auf die Fundamentmauern und den Ziegelplattenfußboden, so dass der Turm erstmalig wieder lokalisiert werden konnte. Zeugnisse aus alter  Zeit  sind  weiterhin eine spätgotische Außenstützmauer an der Süd-Ost-Ecke des Kirchenschiffes sowie die eindrucksvollen spätgotischen Türgewände des bereits erwähnten früheren Turmzuganges auf der Südseite sowie das Türgewände der inneren Eingangstür. Letzgenannte zeigt am rechten Gewändeteil eine sog. Teufelskralle, Abschürfungen, von denen man sagt, dass in früherer Zeit Ritter ihre Schwertspitzen dort geschärft hätten.

Das Turmgeläut ist als Rarität einzustufen. Vielleicht aus Beständen des aufgelösten Klosters Altzella stammend, kam es wohl Mitte des 16. Jahrhunderts in die Kirche Raußlitz. Die drei wunderbar miteinander harmonierenden Glocken (1519, 1520, 1524) konnten im Jahr 2004 generalüberholt werden und rufen nun täglich drei Mal zum Gebet.


Die Innennraumgestaltung

Innenraum vor der RenovierungEtwa in der Mitte der Längsausdehnung des Langhauses deuten vertikale Wandabsätze auf eine früher erfolgte Erweiterung der Kirche vermutlich in Ostrichtung. Die heutige Form der Kirche spiegelt im Wesentlich das Ergebnis umfassender Innen- und Außen-renovierungen zwischen 1714 und 1768 wider (Orgel 1714, Altar 1720, Dachreiter 1756, Innenraum 1768). Dass die Kirche damals einsturzgefährdet war zeigt, dass auch frühere Generationen trotz der Volkskirchlichkeit es nicht leicht hatten, ihre Kirchengebäude zu erhalten.

AusmalungDie Ausmalung in dieser Zeit war barocken Stils, wobei die Fenstergewände mit reichem Schmuck-werk bemalt waren (vgl. freigelegte Passagen 1. Empore, Südfenster).  Dass in früherer Zeit die hier ansässigen Rittergutsbesitzer (Pinnewitz, Raußlitz, Ilkendorf) ihre Plätze hatten, ist heute nicht mehr sichtbar. Patronatslogen befanden sich im Nordanbau hinter den vorderen linken Seiten-bänken (Verglasung, heute vermauert), in einem Holzgestühl in der hinteren Altarplatzhälfte (ausgebaut 2002) und über der ehem. Taufkapelle rechts des Altarplatzes. Letztere wurden umge-staltet mit dem Rückbau der oberen 2. Empore (1961) und der Einrichtung der kleinen Taufkapelle. Zudem zeugen alte, aus dem 16. Jahrhundert stammende Begräbnistafeln von hier ansäs-sigen Rittergutsbesitzern der Familien von Maltitz (Ilkendorf) und von der Pfordten (Pinnewitz).

EngelDie farbliche Gestaltung des Innenraumes hat stark gewechselt. Die Sächsische Kirchengalerie spricht noch um 1900 von einem „völlig schmucklosen Saalbau“. Die Sehnsucht nach Farbe führte 1924 zu einer umfassenden farblichen Neugestaltung:  Altar, Kassettendecke und Orgel wurden in kräftige Blau- und Grautöne gefasst, die Wände in einen dunklen Gelbockerton. Über die Jahre und mitbedingt durch eine Ofenheizung war die Farbfassung des Innen-raumes völlig verdunkelt und verschmutzt. Im Zuge der großen Kircheninnenreno-vierung 1999-2003 wurde auf Grund von Farbuntersuchungen die Kirche vollständig neu in barocker Farblichkeit umgestaltet, wobei die beiden alten Deckenbilder zur Überraschung aller wieder freigelegt werden konnten. Nun ist der Himmel über der Gemeinde geöffnet und kleine trompetende Engel schweben über den Gottesdienst-besuchern, Engel, die - deutlich sichtbar - männlichen und weiblichen Geschlechts sind. In Raußlitz zumindest ist damit die Frage nach der Geschlechtlichkeit der Engel eindrücklich beantwortet.


Taufstein, Taufkapelle und protestantisches Kirchenkonzept

Nach protestantischem Kirchenverständnis ist der Kirchenraum in einer Achse konzipiert, die über den Taufstein auf den Kanzelaltar zuläuft. Zum Reformationsgedenken 1839 wurde ein eiserner Tauf“stein“ gestiftet. Mit der Einrichtung der kleinen Taufkapelle mit Buntglasfenster rechterhand des Altarplatzes wurde 1962 ein neuer Taufstein geschaffen mit der Umschrift: „Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig werden“ (Mk. 16,16). Mit der Renovierung 1999-2003 wurde dieser Taufstein wieder in die Mitte des Altarplatzes gerückt, um deutlich zu machen: Die Taufe ist kein abgesondertes „Winkelereignis“, sondern hat ihren Platz mitten in der Gottesdienstgemeinde.


Die Kirchenbeleuchtung

Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts zierte ein gewaltiger gusseiserner Kerzenleuchter den Kirchenraum. Dieser wurde aber abgenommen, da das Bestücken mit Kerzen als auch das Tropfen als massives Problem empfunden wurde. Im Jahre 2002 wurden Seitenleuchten und Zentralleuchter durch die Firma „Gebrüder Lorenz“ aus Grüna/ Chemnitz in der Weise geschaffen, dass ihre leichten Formen der barocken Gestaltung des Innenraumes entsprechen. Der Zentralleuchter wurde von einem Gemeindeglied gestiftet.


Der Kanzelaltar

Vor Ihnen erhebt sich ein typischer Kanzelaltar, wie er sich in vielen sächsischen Kirchen befindet. Der Altar ist datiert auf das Jahr 1720 und wurde lt. Bleistifteintrag auf der Rückseite des Altars 1841 durch den Siebenlehner Tischlermeister Siegismund Schneider erneuert.  Der Kanzelaltar zeigt klare barocke Formen und setzt in klassischer Weise protestantisches Glaubensgut um:  Der Kanzelaltar wird von oben nach unten „gelesen“. Die sonnenähnliche Gloriole mit dem Symbol des dreieinigen Gottes steht für die Herrlichkeit Gottes. Gott ist aber nicht im Himmel “gefangen“, sondern leuchtet in diese Welt hinein. Der Himmel ist offen. Die beiden kleinen Gewölbehälften (Himmelsgewölbe) geben in der Mitte Raum. Die Herrlichkeit Gottes wird durch sein Wort (Kanzel) unter die Menschen gebracht. Dabei bildet das Kreuz Jesu eine Brücke zwischen Himmel und Erde. Unter dem Wort Gottes versammelt sich die Gemeinde um den Altar zum Abendmahl. Wort Gottes und christliche Gemeinschaft gehören zusammen. 2002/03 wurde der Kanzelaltar in Barocker Farblichkeit grund-legend neu gestaltet.


Die Orgel

Orgel in neuer FarbigkeitDie Orgel wurde 1889 durch den Ostrauer Orgelbaumeister Franz Keller geschaffen. Sie hat 12 klingende Stimmen bei zwei Manualen und Pedal. In den Dreißiger Jahren bekam auf Anregung des damaligen Pfarrers Polster die romantisch geprägte Orgel durch Umbaumaßnahmen wieder einen eher klassischen Klangcharakter.

Bei der Generalüberholung der Orgel im Jahre 2000 wurde dieser Klangcharakter beibehalten. Die Farblichkeit von 1924 konnte abgenommen werden, so dass die Orgel heute wieder in ihrer originalen Gestaltung zu sehen ist.

Die 1889 geschaffene Orgel ist vermutlich die dritte in der Kirche Raußlitz. Ob die erste Orgel auf der Orgelempore platziert war, ist unwahrscheinlich, da eine solche erst bei der Kirchenrenovierung 1660 eingebaut wurde und nur einer sehr kleinen Orgel Platz geboten haben muss.

OrgelemporeVorher stand eine Orgel vermutlich im seitlichen Kirchenschiff. Bereits bei dem Einbau der nächsten Orgel (im Barockstil) 1714 musste die Orgelempore erweitert werden.

Die heutige Orgel von F. Keller wurde ursprünglich mit 12 Registern ausgestattet, die dem romantischen Klanggefühl nahe kam. Vor dem 2. Weltkrieg wurde dann auf Bestreben des damaligen Pfarrer Polster die Orgel um zwei Register erweitert und klanglich nach älteren barocker Klangvorstellung umgestaltet. Sie besitzt etwa 900 Pfeifen, wobei die kleinste nur 7 Millimeter „groß“ ist.

Über viele Jahre hat sie ihren Dienst zuverlässig verrichtet. In den vergangenen Jahrzehnten hat der Zahn der Zeit und die Holzschädlinge genagt, so dass das Instrument nur noch begrenzt einsetzbar war. Nach der Generalüberholung im Juli 2000 durch die Firma Jehmlich, Dresden, hat sie ihren „bäuerlichen Charme“ wiedererhalten und kann zum Lob Gottes und zur Freude der Gemeinde neu erklingen.


Die Glocken

Unsere Glocken sind vermutlich im Zuge der letzten Restaurierung des Klosters Altzella unter Abt Martin von Lochau (1493 – 1522) beschafft worden. Im Zuge der Reformation wurde das Zisterzienserkloster aufgelöst und die Kirchenschätze durch Verfügung des Herzog Moritz von Sachsen aufgeteilt.

Vorstellbar ist, dass die Glocken bei dieser Aufteilung ca. 1540 nach Raußlitz kamen. Bis heute ist nicht ganz genau geklärt, wieso die Glocken nach Raußlitz kamen und ob sie überhaupt aus Altzella stammen. Raußlitz war zwar dem Kloster Altzella unterstellt, was aber keinen Grund für eine Schenkung der Glocken liefert. Fest steht, dass diese wertvollen Glocken für den damalig bestehenden Wachturm nicht gegossen worden sind.

GlockeSicherer lässt sich aber sagen, dass die Glocken aus der Gießerwerkstatt der Familie Hilliger (bzw. Hillger oder Hillinger) aus Freiberg stammen. Während des ersten Weltkrieges gewann die Bronze der Glocken an militärischen Wert, sie konnte man problemlos einschmelzen und daraus Kanonen gießen. So ging nationales Militärinteresse über Gotteslob.

Man erfand die Einteilung in A – , B – , C – und D – Glocken und schmolz zwischen 1914 und 1918 etwa 65.000 Glocken ein. Während die meisten Glocken zur Metallverwertung abgegeben werden mussten, verblieben die Raußlitzer Glocken der Gemeinde.

  • A – Glocke: nach 1860 gegossen
  • B – und C – Glocke: „historisch und künstlerisch wertvoll“
  • D – Glocke: „von ganz überragendem geschichtlichem oder künstlerischem Wert“

Auch im Zweiten Weltkrieg mussten auf Erlass der Reichsstelle für Metalle vom 15. März 1940 Glocken abgegeben werden. Dabei wurde die mittlere und kleine Glocke in die Kategorie C und die große Glocke in die Kategorie D eingeordnet und gleichzeitig von der Ablieferung freigestellt. Aufgrund des hohen Aufwandes der Glockenabnahme wurde durch Architekten und der Kreishandwerkschaft dem Kirchenvorstand bestätigt, dass die dadurch anfallenden Kosten nicht im Verhältnis zum Metallwert der Glocken stehen, sich sogar über dem Metallwert befinden.

Aber trotz dieses Hindernisses, welches dem Kirchenvorstand eigentlich sehr recht kam, konnte endgültig nur das Reichsministerium unter Göring in Berlin über die Raußlitzer Glocken entscheiden. Somit zog sich das Verfahren von 1941 bis Anfang 1943 hin, bis die Entscheidung aus Berlin kam, dass die mittlere und kleine Glocke abzuliefern sind. Dadurch hatte die Kirchgemeinde trotz der Abgabe den Vorzug vor anderen, die große Glocke, behalten zu können. In anderen Fällen verblieb höchstens die kleine Glocke in der Gemeinde.

Am 08. Februar 1943 wurden sie dann in Richtung Hamburg abgefahren. Dort worden sie zunächst mit anderen der gleichen Kategorie in ein Sammellager abgestellt um sie je nach Bedarf zur Verhüttung abzurufen. Hinzuzufügen wäre, dass man, Gott sei es gedankt, die Glocken nicht einfach vom Turm schmiss, sondern sie im ganzen abgeben musste. Die große Glocke diente von nun an alleine für alle Vorkommnisse der Gemeinde. Nach vielen Bemühungen seitens des Pfarramtes konnte im Juli 1947 Gewissheit erhalten werden, dass sich die beiden Glocken im Sammellager des Hamburger Hafens befinden.

Dort warteten sie neben rund 16.000 anderen Glocken - sie waren aus Platzmangel teilweise übereinandergestapelt - wieder auf ihren Rücktransport in ihre Heimatgemeinden. Fast 43.000 deutsche Glocken sind während des 2. Weltkrieges Opfer der Rüstungsindustrie geworden!

Am Mittwoch, den 9. Juni 1948 wurden die mittlere und kleine Glocke, zusammen mit 2 Glocken der Schwesternkirche Wendischbora, am Elbkai in Meißen wieder in Empfang genommen, nachdem sie auf dem Wasserweg der Elbe von Hamburg nach Meißen kamen. Gegen 23:00 Uhr trafen sie unter dem Geläut der großen Glocke und unter lebhafter Anteilnahme der Gemeinde in Raußlitz ein.

Vom 16. – 18. Juni erfolgte der Einbau der Glocken und am 20. Juni 1948 wurde das volle Geläut wieder in Gebrauch genommen. Die Kosten der Überführung von Hamburg nach Meißen und alle Einbaukosten musste nun die Kirchgemeinde aufbringen. Beim Abnehmen 5 Jahre zuvor tat dies noch die „Reichsstelle für Metalle“. Ende 1954 fand sich kein Glöckner mehr, der den täglichen Dienst verrichten wollte. So entschloss man sich, elektrische Läuteanlagen anzuschaffen, was leichter gesagt als getan war, fehlte es doch an Kleinigkeiten (neue Klöppel, Ketten usw.) die Improvisiert werden mussten.

Im November 1955 konnte der Einbau der Läutemaschinen beginnen, nachdem vom Hilfswerk der Evangelischen Kirche in Deutschland drei Rollenketten eintrafen, ohne die kein Antrieb möglich gewesen wäre. Schon damals wurde eine Spendenaktion ins Leben gerufen, welche die Gesamtkosten in Höhe von ca. 5.500 DM unterstützte. Diese mit den Jahren gewordene altehrwürdige Technik tat ihren Dienst bis zum 30.10.2003.

An diesem Tag wurde die große und mittlere Glocke vom Turm gehoben um die ausgeschlagenen Anschlagstellen neu aufzuschweißen. Im Februar 2004 erfolgte der Einbau von drei Linearmotoren an den Glocken und die Ausbesserung und Erneuerung des Glockenstuhles.

Nutzung der Kirche

KirchenschiffCa. alle 14 Tage findet in dieser Kirche Gottesdienst statt. Im Sommerhalbjahr gibt es in Abständen samstags eine Orgelvesper. Zur Kirchgemeinde gehören 12 Dörfer. Raußlitz ist Schwestergemeinde von Rüsseina und Wendischbora.



Kontakt

Fam. Thierbach
Tel. 035246/ 50431
Im Jahr 1999 fand eine Generalüberholung die Orgel statt.

Die 1889 vom Ostrauer Orgelbaumeister F. Keller geschaffene Orgel ist vermutlich die dritte in der Kirche Raußlitz. Ob die erste Orgel auf der Orgelempore platziert war, ist unwahrscheinlich, da eine solche erst bei der Kirchenrenovierung 1660 eingebaut wurde und nur einer sehr kleinen Orgel Platz geboten haben muss.

Vorher stand eine Orgel vermutlich im seitlichen Kirchenschiff. Bereits bei dem Einbau der nächsten Orgel (im Barockstil) 1714 musste die Orgelempore erweitert werden.

Die heutige Orgel von F. Keller wurde ursprünglich mit 12 Registern ausgestattet, die dem romantischen Klanggefühl nahe kam. Vor dem 2. Weltkrieg wurde dann auf Bestreben des damaligen Pfarrer Polster die Orgel um zwei Register erweitert und klanglich nach älteren barocker Klangvorstellung umgestaltet. Sie besitzt etwa 900 Pfeifen, wobei die kleinste nur 7 Millimeter „groß“ ist.

Über viele Jahre hat sie ihren Dienst zuverlässig verrichtet. In den vergangenen Jahrzehnten hat der Zahn der Zeit und die Holzschädlinge genagt, so dass das Instrument nur noch begrenzt einsetzbar war. Nach der Generalüberholung im Juli 2000 durch die Firma Jehmlich, Dresden, hat sie ihren „bäuerlichen Charme“ wiedererhalten und kann zum Lob Gottes und zur Freude der Gemeinde neu erklingen.

 

Die Glocken

Unsere Glocken sind vermutlich im Zuge der letzten Restaurierung des Klosters Altzella unter Abt Martin von Lochau (1493 – 1522) beschafft worden. Im Zuge der Reformation wurde das Zisterzienserkloster aufgelöst und die Kirchenschätze durch Verfügung des Herzog Moritz von Sachsen aufgeteilt.

Vorstellbar ist, dass die Glocken bei dieser Aufteilung ca. 1540 nach Raußlitz kamen. Bis heute ist nicht ganz genau geklärt, wieso die Glocken nach Raußlitz kamen und ob sie überhaupt aus Altzella stammen. Raußlitz war zwar dem Kloster Altzella unterstellt, was aber keinen Grund für eine Schenkung der Glocken liefert. Fest steht, dass diese wertvollen Glocken für den damalig bestehenden Wachturm nicht gegossen worden sind.

Sicherer lässt sich aber sagen, dass die Glocken aus der Gießerwerkstatt der Familie Hilliger (bzw. Hillger oder Hillinger) aus Freiberg stammen. Während des ersten Weltkrieges gewann die Bronze der Glocken an militärischen Wert, sie konnte man problemlos einschmelzen und daraus Kanonen gießen. So ging nationales Militärinteresse über Gotteslob.

Man erfand die Einteilung in A – , B – , C – und D – Glocken und schmolz zwischen 1914 und 1918 etwa 65.000 Glocken ein. Während die meisten Glocken zur Metallverwertung abgegeben werden mussten, verblieben die Raußlitzer Glocken der Gemeinde.

  • A – Glocke: nach 1860 gegossen
  • B – und C – Glocke: „historisch und künstlerisch wertvoll“
  • D – Glocke: „von ganz überragendem geschichtlichem oder künstlerischem Wert“

Auch im Zweiten Weltkrieg mussten auf Erlass der Reichsstelle für Metalle vom 15. März 1940 Glocken abgegeben werden. Dabei wurde die mittlere und kleine Glocke in die Kategorie C und die große Glocke in die Kategorie D eingeordnet und gleichzeitig von der Ablieferung freigestellt. Aufgrund des hohen Aufwandes der Glockenabnahme wurde durch Architekten und der Kreishandwerkschaft dem Kirchenvorstand bestätigt, dass die dadurch anfallenden Kosten nicht im Verhältnis zum Metallwert der Glocken stehen, sich sogar über dem Metallwert befinden.

Aber trotz dieses Hindernisses, welches dem Kirchenvorstand eigentlich sehr recht kam, konnte endgültig nur das Reichsministerium unter Göring in Berlin über die Raußlitzer Glocken entscheiden. Somit zog sich das Verfahren von 1941 bis Anfang 1943 hin, bis die Entscheidung aus Berlin kam, dass die mittlere und kleine Glocke abzuliefern sind. Dadurch hatte die Kirchgemeinde trotz der Abgabe den Vorzug vor anderen, die große Glocke, behalten zu können. In anderen Fällen verblieb höchstens die kleine Glocke in der Gemeinde.

Am 08. Februar 1943 wurden sie dann in Richtung Hamburg abgefahren. Dort worden sie zunächst mit anderen der gleichen Kategorie in ein Sammellager abgestellt um sie je nach Bedarf zur Verhüttung abzurufen. Hinzuzufügen wäre, dass man, Gott sei es gedankt, die Glocken nicht einfach vom Turm schmiss, sondern sie im ganzen abgeben musste. Die große Glocke diente von nun an alleine für alle Vorkommnisse der Gemeinde. Nach vielen Bemühungen seitens des Pfarramtes konnte im Juli 1947 Gewissheit erhalten werden, dass sich die beiden Glocken im Sammellager des Hamburger Hafens befinden.

Dort warteten sie neben rund 16.000 anderen Glocken - sie waren aus Platzmangel teilweise übereinandergestapelt - wieder auf ihren Rücktransport in ihre Heimatgemeinden. Fast 43.000 deutsche Glocken sind während des 2. Weltkrieges Opfer der Rüstungsindustrie geworden!

Am Mittwoch, den 9. Juni 1948 wurden die mittlere und kleine Glocke, zusammen mit 2 Glocken der Schwesternkirche Wendischbora, am Elbkai in Meißen wieder in Empfang genommen, nachdem sie auf dem Wasserweg der Elbe von Hamburg nach Meißen kamen. Gegen 23:00 Uhr trafen sie unter dem Geläut der großen Glocke und unter lebhafter Anteilnahme der Gemeinde in Raußlitz ein.

Vom 16. – 18. Juni erfolgte der Einbau der Glocken und am 20. Juni 1948 wurde das volle Geläut wieder in Gebrauch genommen. Die Kosten der Überführung von Hamburg nach Meißen und alle Einbaukosten musste nun die Kirchgemeinde aufbringen. Beim Abnehmen 5 Jahre zuvor tat dies noch die „Reichsstelle für Metalle“. Ende 1954 fand sich kein Glöckner mehr, der den täglichen Dienst verrichten wollte. So entschloss man sich, elektrische Läuteanlagen anzuschaffen, was leichter gesagt als getan war, fehlte es doch an Kleinigkeiten (neue Klöppel, Ketten usw.) die Improvisiert werden mussten.

Im November 1955 konnte der Einbau der Läutemaschinen beginnen, nachdem vom Hilfswerk der Evangelischen Kirche in Deutschland drei Rollenketten eintrafen, ohne die kein Antrieb möglich gewesen wäre. Schon damals wurde eine Spendenaktion ins Leben gerufen, welche die Gesamtkosten in Höhe von ca. 5.500 DM unterstützte. Diese mit den Jahren gewordene altehrwürdige Technik tat ihren Dienst bis zum 30.10.2003.

An diesem Tag wurde die große und mittlere Glocke vom Turm gehoben um die ausgeschlagenen Anschlagstellen neu aufzuschweißen. Im Februar 2004 erfolgte der Einbau von drei Linearmotoren an den Glocken und die Ausbesserung und Erneuerung des Glockenstuhles.

Zeichnung Kirche RaußlitzWir begrüßen Sie herzlich auf den Seiten der Kirchengemeinde Raußlitz im Internet!

Unser Dorf liegt etwa 6 km nördlich von Nossen, am Fuße der Radewitzer Höhe. Anmutig, mitten im Ort, steht eine der ältesten Dorfkirchen der Umgebung. Die Kirchgemeinde Raußlitz ist Schwestergemeinde der Kirchgemeinden Rüsseina (seit 1997) und Wendischbora. Zur Gemeinde gehören ca. 250 Gemeindeglieder. Bereits seit dem Mittelalter ist Raußlitz ein Zentralkirchspiel. D. h., zum Kirchort gehören viele kleine Dörfer (13 Ortschaften). Kartenausschnitt KirchgemeindenDie Gemeinde ist, wie auch die Schwestergemeinden, sehr ländlich geprägt. Verwaltet wird die Kirchgemeinde Raußlitz seit dem Tod von Pfr. Christoph Lehmann 1997 von Rüsseina aus, wo auch der Pfarrsitz ist. Das Pfarrhaus Raußlitz ist erbverpachtet. Die Kirchgemeinde nutzt aber die durch die Kirchgemeinde modernisierten Gemeinderäume im Pfarrhaus.

Auf den folgenden Unterseiten erhalten sie weitere Infos zu nutzbaren Räumen, dem Kirchengebäude, dem Ort Raußlitz sowie dem Kirchenvorstand.

Pfarrhof in RaußlitzDie Pfarre im Jahr 1728 in unmittelbarer Nähe der Kirche erbaut, bildete ein geschlossenes Gehöft mit Wohn- und Seitengebäude, Scheune und Pächterwohnung.

 

Raum im PfarrhausDie Scheune und die Pächterwohnung wurden im vorigen Jahrhundert abgerissen, das Pfarrhaus als Fachwerkhaus gut erhalten. Eine Besonderheit ist ein direkte Hinterausgang zur Kirche.

 

Küche im PfarrhausDas Pfarrhaus wurde 1998 Erbverpachtet und die Gemeinde richtete sich ihre Gemeinderäume mit Küche und Toiletten neu ein. Im Gemeinderaum finden die wöchentlichen Kreise statt, er ist aber auch für z.B. Familienfeiern zu mieten.

 

 

001TDer Kirchenvorstand versteht sich nicht nur als Arbeitsgruppe, sondern auch als lebendiger Gemeindekreis, in dem viele Belange besprochen werden, der sich auch mal zum Kegeln trifft oder einen Ausflug unternimmt. Die Amtsperiode dieses Kirchenvorstandes ist sachsenweit auf sechs Jahre begrenzt.

Seit Advent 2014 gehören folgende Gemeindeglieder dem Vorstand an:

  • Dr. Hahn, Jochen, Pfarrer aus 01683 Rüsseina
    • Vorsitzender
  • Kohl, Jens, Installateur- und Heizungsbaumeister aus  01683 Raußlitz
    • stellv. Vorsitzender
  • Hentschel, Eckhard, Dipl.-Ingenieur aus 01683 Raußlitz
  • Metke, Anne, Erzieherin aus 01683 Raußlitz
  • Streubel, Steffy, Agrar-Ing./Angestellte aus 01683 Raußlitz
  • Thierbach, Jörg, Dipl.-Betriebswirt aus 01683 Raußlitz
  • Lehmann, Katrin, Erzieherin aus 01683 Ottenbach, beratendes KV-Mitglied

Raulitz mit RittergutRaußlitz liegt ca. 6 km südlich von Nossen am Fuße der Radewitzer Höhe. Wie viele Orte der Lommatzscher Pflege geht der Ort auf eine slawische Siedlung zurück. Obwohl die Landwirtschaft heute nur wenig Arbeitsplätze bietet, hat sie auf Grund des guten Lößbodens einen hohen wirtschaftlichen Stellenwert. Weithügelige Felder umgeben den Ort. Im Dorf Raußlitz gibt es noch einige Gewerke: z. B. Metallbau, Lebensmittelgeschäfte und kleine Bauunternehmen. Die moderne Grundschule ist ein wichtiges Bildungs- und Lebenszentrum für die Umgebung.

Heute ist Raußlitz mit Rittergut und Kirche Verwaltungsort der Großgemeinde Ketzerbachtal.

  • Einwohnerzahl Ort Raußlitz: ca. 220
  • Einwohnerzahl der Gemeinde Ketzerbachtal: ca. 2650.

Zur Geschichte des Dorfes

Blick nach Raußlitz von der Radewitzer HöheErste menschliche Siedlungen in unserem Gebiet gehen 4000 bis 5000 Jahre zurück denn der fruchtbare Lößboden am südlichen Ende der Lommatzscher Pflege lockte die Menschen zum Ansiedeln und Ackerbau an. In den ältesten Urkunden wird der Ort Raußlitz, Roslawycz oder Ruzelitz genannt. Die Meißnische Burggrafen - unter dem Domprobst Siegfried, burggräflicher Prinz zu Leisnig - schenkte dem Nonnenkloster zu Staucha das Kirchenlehn und Patronatsrecht über Raußlitz. Diese Schenkung wurde am 12. April 1264 bestätigt.

Raußlitz in den 30er JahrenIm Jahre 1386 kommt der Ort als Lehen der Meißner Burggrafen vor, welche dann als Nonnenkloster zu Freiberg hier einige Geld-, Eier-, und Hühnerzinsen bestätigte. In der Folge und bis zur Reformation stand aber die Kirche unter dem Zellischen Kloster.  Zur Sicherung des Landes wurden Wehrkirchen bzw. Türme errichtet so auch in Raußlitz. Obwohl das Dorf Raußlitz abseits von großen Heerstraßen lag, blieben es nicht gänzlich von den Schrecknissen der Kriege verschont.

Raußlitz in den 20er JahrenVon schweren Wochen berichtet das älteste mit dem Jahr 1633 beginnende Kirchenbuch, das vom Schulmeister Christian Andreas geführt worden ist. Dieser berichtet, dass im Januar 1637 die schwedischen und bayrischen Scharen unter General Panier in Sachsen einbrachen und bei Lützen Quartier machten. Am 30. Januar, 1. Februar und 6. Februar sei er und der Pfarrer von den Schweden geplündert worden „Wir haben müssen weichen. Es sind ihrer viel zu Nossen gestorben, ist mir meine Gebühr abgegangen. Herr Pfarr und ich haben müssen viele Leute um ein Stück Brot ansprechen, dass wir uns haben können erhalten. Gott wolle unsre Nachkommen gnädiglich davor behüten! Amen“. Ein großer Teil der Gemeinde flüchtete über die Elbe und fand in Cölln (Meißen – Cölln) 8 Wochen lang Unterschlupf, bis der Feind die Gegend verlassen hatte.

Kirche RaußlitzÜberaus heftig tritt darauf die Pest auf, namentlich im wasserreichen Pinnewitz, das auch in späteren Zeiten wiederholt von Seuchen heimgesucht worden ist. Bereits reichlich hundert Jahre später brachen durch den Siebenjährigen Krieg (1756-1763) neue Kriegsnöte über die Dörfer herein. Die preußischen Truppen hatten den Katzenberg (Katzenhäuser) zu einer befestigten Stellung ausgebaut und verteidigten ihn monatelang. Wenn auch das Totenverzeichnis keine Namen von Soldaten meldet, die etwa in dem Gefecht bei Katzenberg - dessen G. E. Lessing in „Minna von Barnhelm“ erwähnt – gefallen währen, so ist die Zahl der Sterbefälle in der Gemeinde um so größer. Während sonst durchschnittlich 25 Sterbefälle gezählt werden, werden aus dem Jahre 1760 113 Todesfälle von 80 Erwachsenen und 33 Kindern, 1761 121 Todesfälle von 77 Erwachsenen und 44 Kinder, leider ohne Angabe der Todesursache verzeichnet.

In der näheren und weiteren Umgebung überwinterten 1760/61 50.000 Mann, welche die Gegend ausplünderten.Zu erwähnen ist auch die große Bauernerhebung im Jahre 1790, welche sich über ganz Sachsen bis hin nach Thüringen ausbreitete. Historisch hervorgetan haben sich in dieser Zeit besonders die Orte Pinnewitz, Oberstößwitz und Kreißa. Und letztlich hinterließen auch die letzten Kriegsjahre des zweiten Weltkrieges ihre Furchen in den Dörfern um Raußlitz, bei der Besetzung der Radewitzer Höhe und des Katzenberges.

Schreibweise für den Ortsnamen „Raußlitz“

vgl. Neue Sächsische Kirchengalerie

  • 1264 Ruzlitz,
  • 1286 de Ruzlitz, Ruzelitz, Rutzliz
  • 1386 Rolawicz
  • 1402 Ruselicz Rauschelhtziz, Rawscheltiz hieß ursprünglich Rasalich, das der Familie Rusal, Rusalh, etwa Röthlichs Bräunlichs.

Zu Grunde liegt also rusú, tsch. rusy, rötlich, lichtbraun, blond, rusalý, davon die Personennamen Rús, Rusa, Rusin, Rusek, Rusal(y) = franz. Blondine, auch rusalka blonde Wassernymphe. Ebenfalls die Silbe rausch, welche die Bedeutung besitzt:

  • flechten, verdrehen, stricken; aus idg."*rezg",
  • vgl. mhd."rusch", mnd."risch,rúsch", nl."rus", ags."risc,resc,rysc", norw."rusk", lit."rezgú", aslaw."rozga", lat."restis"= allesamt "Tau,Seil,Binse";
  • benennt Ort a) der Textilherstellung als heiligem Handwerk und/oder b) der Verehrung der Göttin als Schicksalsspinnerin; sorgfältig von der Deutung unter rus trennen, auch wenn der enge Zusammenhang vom Handwerk und Göttin überdeutlich bleibt,
letztendlich auf einen Versammlungsort verweist.

Kirche RaußlitzDie Geschichte der Kirche ist sehr unklar. Der Südost – Strebepfeiler des rechteckigen Saalbaues sowie das Südtor sind gotisch, der Bau weist aber sonst außer den Glocken keine älteren Spuren auf. Umbauten des Orgelchores von 1670 und 1715, eine Umgestaltung des Innern von 1768, sowie vereinzelte Ausbesserungen im 19. Jahrhundert sind bekannt. Der Bau ist außen schlicht, mit einer flachen Decke versehen, durch Leisten abgeteilt und von einer Empore umgeben (die zweite wurde 1961 aufgrund Baufälligkeit entfernt).

Aus dem Dach wächst etwas gegen Westen gerückt, ein achteckiger Dachreiter empor. Der kehlig aufsteigende Helm wird von einer kürbisartigen Rundung in der Mitte durchbrochen. Die Wetterfahne ist bezeichnet 1756/1850, dazwischen die sächsischen Kurschwerter.

KirchenschiffAls typisches Merkmal des reformierten Kirchenbaus in der Lommatzscher Pflege besitzt die Kirche einen Kanzelaltar. Der Unterbau aus Stein, der Aufbau aus Holz. Zwei korinthische Säulen waren mit kräftig vortretenden Blumengehängen und Ranken und stark ausgebildeten Voluten versehen, jetzt marmoriert. Die Kanzel baut sich in fünf Seiten des Achtecks vor. Die Färbung des Altars ist nach der Neugestaltung 2002 ebenfalls wie vor 1924 Weiß und Gold.

Seit 1998 fanden zahlreiche Renovierungsarbeiten in der Kirche statt. Die alten Anstriche von Wänden, Emporen, Decke, Orgel und Altar wurden zum Teil vollständig entfernt und die Farbgebung des 19. Jahrhunderts, geprägt von Weiß-, Gelb- und Goldtönen wiederhergestellt. Zwei wiederentdeckte Deckenbilder dabei freigelegt und ausgebessert.

Die alte Farbe der Orgel wurde vollständig abgetragen und die Originalbemalung (Strukturierte Bierbemalung) wieder freigelegt. Die gesamte Elektrik wurde erneuert wobei neue Wandleuchten und ein Kronleuchter angeschafft worden.

 

Die Orgel

OrgelemporeIm Jahr 1999 fand eine Generalüberholung die Orgel statt.

Die 1889 vom Ostrauer Orgelbaumeister F. Keller geschaffene Orgel ist vermutlich die dritte in der Kirche Raußlitz. Ob die erste Orgel auf der Orgelempore platziert war, ist unwahrscheinlich, da eine solche erst bei der Kirchenrenovierung 1660 eingebaut wurde und nur einer sehr kleinen Orgel Platz geboten haben muss.

Vorher stand eine Orgel vermutlich im seitlichen Kirchenschiff. Bereits bei dem Einbau der nächsten Orgel (im Barockstil) 1714 musste die Orgelempore erweitert werden.

Die heutige Orgel von F. Keller wurde ursprünglich mit 12 Registern ausgestattet, die dem romantischen Klanggefühl nahe kam. Vor dem 2. Weltkrieg wurde dann auf Bestreben des damaligen Pfarrer Polster die Orgel um zwei Register erweitert und klanglich nach älteren barocker Klangvorstellung umgestaltet. Sie besitzt etwa 900 Pfeifen, wobei die kleinste nur 7 Millimeter „groß“ ist.

Über viele Jahre hat sie ihren Dienst zuverlässig verrichtet. In den vergangenen Jahrzehnten hat der Zahn der Zeit und die Holzschädlinge genagt, so dass das Instrument nur noch begrenzt einsetzbar war. Nach der Generalüberholung im Juli 2000 durch die Firma Jehmlich, Dresden, hat sie ihren „bäuerlichen Charme“ wiedererhalten und kann zum Lob Gottes und zur Freude der Gemeinde neu erklingen.

 

Die Glocken

Unsere Glocken sind vermutlich im Zuge der letzten Restaurierung des Klosters Altzella unter Abt Martin von Lochau (1493 – 1522) beschafft worden. Im Zuge der Reformation wurde das Zisterzienserkloster aufgelöst und die Kirchenschätze durch Verfügung des Herzog Moritz von Sachsen aufgeteilt.

Vorstellbar ist, dass die Glocken bei dieser Aufteilung ca. 1540 nach Raußlitz kamen. Bis heute ist nicht ganz genau geklärt, wieso die Glocken nach Raußlitz kamen und ob sie überhaupt aus Altzella stammen. Raußlitz war zwar dem Kloster Altzella unterstellt, was aber keinen Grund für eine Schenkung der Glocken liefert. Fest steht, dass diese wertvollen Glocken für den damalig bestehenden Wachturm nicht gegossen worden sind.

Sicherer lässt sich aber sagen, dass die Glocken aus der Gießerwerkstatt der Familie Hilliger (bzw. Hillger oder Hillinger) aus Freiberg stammen. Während des ersten Weltkrieges gewann die Bronze der Glocken an militärischen Wert, sie konnte man problemlos einschmelzen und daraus Kanonen gießen. So ging nationales Militärinteresse über Gotteslob.

Man erfand die Einteilung in A – , B – , C – und D – Glocken und schmolz zwischen 1914 und 1918 etwa 65.000 Glocken ein. Während die meisten Glocken zur Metallverwertung abgegeben werden mussten, verblieben die Raußlitzer Glocken der Gemeinde.

  • A – Glocke: nach 1860 gegossen
  • B – und C – Glocke: „historisch und künstlerisch wertvoll“
  • D – Glocke: „von ganz überragendem geschichtlichem oder künstlerischem Wert“

Auch im Zweiten Weltkrieg mussten auf Erlass der Reichsstelle für Metalle vom 15. März 1940 Glocken abgegeben werden. Dabei wurde die mittlere und kleine Glocke in die Kategorie C und die große Glocke in die Kategorie D eingeordnet und gleichzeitig von der Ablieferung freigestellt. Aufgrund des hohen Aufwandes der Glockenabnahme wurde durch Architekten und der Kreishandwerkschaft dem Kirchenvorstand bestätigt, dass die dadurch anfallenden Kosten nicht im Verhältnis zum Metallwert der Glocken stehen, sich sogar über dem Metallwert befinden.

Aber trotz dieses Hindernisses, welches dem Kirchenvorstand eigentlich sehr recht kam, konnte endgültig nur das Reichsministerium unter Göring in Berlin über die Raußlitzer Glocken entscheiden. Somit zog sich das Verfahren von 1941 bis Anfang 1943 hin, bis die Entscheidung aus Berlin kam, dass die mittlere und kleine Glocke abzuliefern sind. Dadurch hatte die Kirchgemeinde trotz der Abgabe den Vorzug vor anderen, die große Glocke, behalten zu können. In anderen Fällen verblieb höchstens die kleine Glocke in der Gemeinde.

Am 08. Februar 1943 wurden sie dann in Richtung Hamburg abgefahren. Dort worden sie zunächst mit anderen der gleichen Kategorie in ein Sammellager abgestellt um sie je nach Bedarf zur Verhüttung abzurufen. Hinzuzufügen wäre, dass man, Gott sei es gedankt, die Glocken nicht einfach vom Turm schmiss, sondern sie im ganzen abgeben musste. Die große Glocke diente von nun an alleine für alle Vorkommnisse der Gemeinde. Nach vielen Bemühungen seitens des Pfarramtes konnte im Juli 1947 Gewissheit erhalten werden, dass sich die beiden Glocken im Sammellager des Hamburger Hafens befinden.

Dort warteten sie neben rund 16.000 anderen Glocken - sie waren aus Platzmangel teilweise übereinandergestapelt - wieder auf ihren Rücktransport in ihre Heimatgemeinden. Fast 43.000 deutsche Glocken sind während des 2. Weltkrieges Opfer der Rüstungsindustrie geworden!

Am Mittwoch, den 9. Juni 1948 wurden die mittlere und kleine Glocke, zusammen mit 2 Glocken der Schwesternkirche Wendischbora, am Elbkai in Meißen wieder in Empfang genommen, nachdem sie auf dem Wasserweg der Elbe von Hamburg nach Meißen kamen. Gegen 23:00 Uhr trafen sie unter dem Geläut der großen Glocke und unter lebhafter Anteilnahme der Gemeinde in Raußlitz ein.

Vom 16. – 18. Juni erfolgte der Einbau der Glocken und am 20. Juni 1948 wurde das volle Geläut wieder in Gebrauch genommen. Die Kosten der Überführung von Hamburg nach Meißen und alle Einbaukosten musste nun die Kirchgemeinde aufbringen. Beim Abnehmen 5 Jahre zuvor tat dies noch die „Reichsstelle für Metalle“. Ende 1954 fand sich kein Glöckner mehr, der den täglichen Dienst verrichten wollte. So entschloss man sich, elektrische Läuteanlagen anzuschaffen, was leichter gesagt als getan war, fehlte es doch an Kleinigkeiten (neue Klöppel, Ketten usw.) die Improvisiert werden mussten.

Im November 1955 konnte der Einbau der Läutemaschinen beginnen, nachdem vom Hilfswerk der Evangelischen Kirche in Deutschland drei Rollenketten eintrafen, ohne die kein Antrieb möglich gewesen wäre. Schon damals wurde eine Spendenaktion ins Leben gerufen, welche die Gesamtkosten in Höhe von ca. 5.500 DM unterstützte. Diese mit den Jahren gewordene altehrwürdige Technik tat ihren Dienst bis zum 30.10.2003.

An diesem Tag wurde die große und mittlere Glocke vom Turm gehoben um die ausgeschlagenen Anschlagstellen neu aufzuschweißen. Im Februar 2004 erfolgte der Einbau von drei Linearmotoren an den Glocken und die Ausbesserung und Erneuerung des Glockenstuhles.

 

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